3.6.2013
(Montag) / 4.6.2013
(Dienstag):

Wir legen
6:10 Uhr ab und fahren unter Motor bis zum Leuchtturm Ortranto, der Wind kommt
mit 3Bft aus SE. Mit Groß und Fock kreuzen wir hoch am Wind zuerst zum Kap Maria
di Leuca, der Wind dreht auf S, kommt mit 13kn. Wir segeln entlang der Küste
von Kalabrien bei blauem Himmel, Sonnenschein und wenig Wellen. 11:15 Uhr haben
wir das Kap querab. Damit verlassen wir die Adria und haben das Ionische Meer
erreicht. Wir beschließen, Gallipoli nicht anzulaufen, sondern gleich den Golf
von Taranto zu überqueren. Die Windbedingungen sind dafür sehr günstig. Bei
weiterhin Sonnenschein, blauem Himmel und wenig Wellen gleiten wir mit 5 bis
6kn durch das Wasser. Die Wasseroberfläche glitzert in der Sonne, der warme
Wind ist angenehm auf dem Körper. So macht Segeln im Süden Spaß. Dieses Wetter
hatten wir zwar schon auf der Adria erwartet, aber dort sollte es eben nur an
wenigen Tagen so sein.

20:00 Uhr beginnen wir mit der Wache. Lotte und Egon sind zuerst dran. Der Wind
wird etwas stärker, sodass wir zuerst das Groß 1x reffen und dann die Fock
bergen. 24:00 Uhr beginnt für Hillu und Jörg die Wache, die letzten 2¼ h müssen
unter Motor zurückgelegt werden, der Wind ist zu schwach zum Vorwärtskommen.
Bei sternenklarer Nacht erreichen wir den Hafen von Crotone und legen
längsseits an der Pier an.
Von den insgesamt 101sm konnten wir 86sm segeln. Nach Ausschlafen und
Frühstücken verlegen wir uns in die Marina Crotone, bezahlen 40€ Hafengebühr
und können für 5€ eine Waschmaschine füllen. Endlich kann das viele Salz aus
unseren Kleidungsstücken gewaschen werden.
Das passiert zum 2. Mal: Als wir zur Stadtbesichtigung und zum Einkaufen
unterwegs waren, gab es ein tüchtiges Gewitter mit ordentlichem Regen. Wir
waren im Trocknen in einem Restaurant, unsere Wäsche aber leider nicht. Viel
hat Crotone nicht zu bieten, außer einem langen breiten Sandstrand.
5.6. 2013 (Mittwoch): Da der Wind morgens stärker sein soll als mittags,
legen wir schon 5:15 Uhr ab. Allerdings war die Windvorhersage nicht richtig.
So bleibt Jörg und Egon nichts anderes übrig, als 1h mit Motorkraft bis zum
Leuchtturm Crotone zu fahren. Dann setzen sie Groß und Gennaker, bei 4kn Wind
kommt da auch nur eine Fahrtgeschwindigkeit von max. 3kn zustande. Die Sonne
scheint vom blauen Himmel. Gegen 9:30 Uhr nimmt der Wind etwas zu, wir
erreichen meist 4kn Geschwindigkeit. Die Küste Kalabriens gleitet langsam an
uns vorbei. Wir segeln Richtung SW über den Golf von Squillace.

Gegen Mittag dreht der Wind auf O, die Sonne scheint weiterhin und der
Wind ist meist schwach, d.h. wir haben eine durchschnittliche
Fahrtgeschwindigkeit von 4kn, manchmal rauschen wir auch mit 7kn durchs Wasser.
15:00 Uhr nimmt die Geschwindigkeit auf 1,5kn ab, so dass der Motor uns
vorwärts bringen muss. Der Wind kommt nicht wieder, also 3½ h bis zum Ziel
Roccella Ionica mit Motor. Die Einfahrt zur Marina ist versandet, durch
Information von Seglern wissen wir, dass wir uns nahe dem roten Leuchtfeuer
halten müssen und so kommen wir gut über die Untiefen. In der Marina machen wir
an einem Fingersteg fest. Von den insgesamt 71sm konnten wir, wenn auch mit
Mühe, 51sm segeln. Die Stadt ist 4km abseits der Marina, so gibt‘s das
Abendbrot in dem Marina-Restaurant. Bei Sonnenschein genießen wir Spagetti mit
Muscheln und 1 l Rotwein.
6.6.2013 (Donnerstag): Frühstück in Ruhe an Bord, dann zur Tankstelle,
die leider nicht mehr in Betrieb ist. Dann kommt die nächste Überraschung. Die
neuen Karten im Plotter zeigen an, dass die Einfahrt zum Hafen Porta Salvo
(unser nächstes 40sm entferntes Ziel) inzwischen total versandet ist. (auf den
Planungskarten von 2003 war noch alles in Ordnung.) Die Suche nach einem neuen
Ziel gestaltet sich nicht ganz einfach, da an der Südspitze des Stiefels keine
Häfen sind. So fällt unsere Wahl auf Reggio di Calabria, d.h. wir müssen um die
Südspitze herum und in die Straße von Messina.

Vorbei geht es am Leuchtturm des Cap Spartivento, die Landschaft wird immer bergiger.
Die Südspitze des italienischen Festlandes erreichen wir mittags. Der Windgott
ist heute gegen uns, wir versuchen es immer mal mit Segeln, aber die
Windstärken sind einfach zu gering und dabei kommt der wenige Wind uns noch
entgegen. So wird es eine reine Motorbootfahrt von 62sm. Nach 10 h legen wir in
Reggio di Calabria im Yachthafen an, haben eine Liegegebühr von 55€ zu
bezahlen. Man merkt, dass man mehr in die touristische Gegend Italiens kommt.
Nach einer 1-stündigen Ruhepause besichtigen wir die Stadt. Wir laufen die
Fußgängerzone entlang, alle erdenklichen Marken sind hier zu finden.

Allerdings gibt es außerhalb der Touristenstraße sehr viel Dreck und ungeleerte
Mülltonnen. Wir kaufen ein und entscheiden uns für Abendbrot an Bord.
7.6.2013 (Freitag):

Wir legen 7:40 ab und segeln hoch am Wind Richtung NW, der Wind kommt aus NNO
mit 4Bft, die Sonne scheint, es ist etwas diesig. Heute wollen wir nach dem 7sm
entfernten Messina, zuerst suchen wir im Hafenbecken nach der leider nicht mehr
vorhandenen Tankstelle. Gegen 9:30 Uhr machen wir in der Marina “Neptuno” fest.
Als wir uns in der Rezeption der Marina anmelden wollen, werden wir
aufgefordert, zum Hafenkapitän zu gehen. Dort verlangt man von uns ein
“abgestempeltes Papier”, was wir nicht haben. Nach Vorlage des Kaufvertrages
und des Internationalen Bootsscheins und einigem Palaver erhalten wir ein
“abgestempeltes Papier”- die “Nota di Informazione per le unita’ a Diporto” und
die “Dichiarazione integrativa di Partenza unita’ da Disporto”. Nun dürfen wir
wohl richtig in Italien unterwegs sein. Der Hafenmeister nimmt unsere Anmeldung
nun an, 65€ kostet es hier.
Nach Mittagessen und Ausruhen an Bord geht’s in die Stadt, die uns sehr gut gefällt.
Es gibt viele Baumalleen und grüne Plätze. Entlang den Einkaufsstraßen mit
gepflegten Häusern sind viele Sehenswürdigkeiten, u.a. das Vittorio Emanuele
Theatre, die Kathedrale mit dem astronomischen Kalender und einem 60 m hohem
Glockenturm. Wir besichtigen die auf Bergen gelegene Kirche Montalto und die
Sacrario di Christo mit dem Schrein of Christ the King (leider nicht
zugänglich), genießen Ausblicke auf die Stadt, die Straße von Messina und das
italienische Festland. Unserer Marina gegenüber der Platz der Europäischen
Union mit Poseidon und dem Pallazzo of Governo. Einstimmig die Feststellung -
Messina ist eine Reise wert.
….

8.6.2013 (Sonnabend):
7:00 Uhr legen wir ab, nochmal ein letzter Blick zurück auf Messina:

Gleich außerhalb des Hafens können wir segeln, mit Groß und Gennaker rauschen
wir raumschots mit 7 bis 9kn durch das Wasser. Der Wind kommt mit 3 bis 4Bft
aus NO, die Sonne scheint, die Sicht ist moderat. Da der Wind stärker wird,
bergen wir den Gennaker und fahren nur mit Groß immer noch 7kn. Es geht entlang
der bergigen sizilianischen Küste mit vielen Hotelanlagen und wunderschönen
Bergdörfern.
Gegen 11:00 Uhr haben wir Taormina mit seinen vielen an den Hängen gebauten
Häusern, einer Festungsruine auf dem höchsten Gipfel und den Ätna im
Hintergrund querab.

Leider nimmt der Wind auf 4kn ab, so dass wieder Motorbootfahren angesagt ist.
Wir entscheiden, bereits Riposto anzulaufen. Die Stadt und die dazugehörige Marina
Porto dell’Etna liegen am Fuße des Ätna. Dort tanken wir (100,3 l) und legen
14:00 Uhr am Fingersteg an. 76€ ist dafür die Gebühr. Dafür gibt es auch andere
tolle Yachten und “Ascheregen” auf einigen Booten zu sehen.
..

Riposto hat eine schöne Kathedrale, in der gerade eine Hochzeit stattfindet,
und schnurgerade rechtwinklige Straßen. Imposant der Ätna, der zumindest
“raucht”.


9.6.2013 (Sonntag):
7:20 Uhr wird abgelegt, heute ist der Wind ganz eingeschlafen, also unter
Motor die 17sm Richtung Catania. Die Sonne scheint, die Sicht ist moderat, das
Wasser spiegelglatt. Wir fahren nahe der viel bebauten Küste entlang immer
einen Blick auf den rauchenden Ätna. 10:15 Uhr Anlegen in der Marina NIC in Catania.
Wir melden uns für 2 Tage an und bezahlen dafür 94€. Mittags ist es so heiß,
dass wir uns in den Schatten auf unser Boot verkriechen. So beginnt unsere
Stadtbesichtigung erst 15:30 Uhr, zuerst mit einer Touristenbahn und dann
nochmal alles zu Fuß.
Im Jahr 1669 wurden Teile der Stadt nach einem Vulkanausbruch des Ätna
unter Lavaströmen begraben. Ein schweres Erdbeben im Jahr 1693 zerstörte
Catania fast vollständig. In den folgenden Jahrzehnten wurde es im barocken
Baustil, der noch heute das Stadtbild prägt, wieder aufgebaut. Da viele Gebäude
aus Lavagestein bestehen, bezeichnet man die Stadt auch als die Schwarze
Tochter des Ätna. Die Kathedrale von Catania ist der Heiligen Agatha, der
Schutzpatronin der Stadt, geweiht. Vor der Kathedrale auf der Piazza del Duomo
steht der Elefantenbrunnen, das Wahrzeichen Catanias. Der Elefant aus schwarzem
Lavagestein trägt einen antiken ägyptischen Obelisken aus hellem Granit.
Die Collegiata im Stil des sizilianischen Barock
war ursprünglich die königliche Palastkapelle. Die Via Etnea, Hauptstraße
Catanias mit vielen Geschäften und Plätzen, ist etwa drei Kilometer lang und
verläuft schnurgerade von der Piazza del Duomo in Richtung Ätna. Bellini, dem
wohl bekanntesten Catanesen, ist die Parkanlage Villa Bellini im Zentrum der
Stadt gewidmet. Das Castello Ursino, um 1240 auf Anweisung des Staufer-Kaisers
Friedrichs II. errichtet, war im 14. Jahrhundert Residenz der aragonischen
Könige. Der Palazzo Biscari ist der bedeutendste Palazzo von Catania. Es zeigt
Stilelemente des Rokoko.
..
Nach dem Stadtrundgang sind wir froh, wieder an Bord zu sein und unsere Füße
hochzuhalten.