15.7.2013 (Montag):
Die Wetterkarte von DWD hat sich gegenüber der vorigen Woche nur unwesentlich
verändert. Die Sonne scheint und es ist vormittags kaum Wind. 9:00 Uhr
verlassen wir den Vorort von Huelva, dort wo Kolumbus 1492 seine 1. Expedition zur
Entdeckung der neuen Welt gestartet hat. Wir wollen vorerst nur die Algarve
erkunden. Geplant war für heute eigentlich Tavira, nach genauerem Studium der
Hafenanlage mit dem Plotter entscheiden wir, Vilamoara anzulaufen.

Da der Wind wieder relativ schwach ist (bis 10kn), müssen wir oft zusätzlich zu
den Segeln den Motor benutzen. Bei 37°02,0’N und 07°23,8’W passieren wir 14:30
Uhr die Grenze Spanien/Portugal. Die Uhren werden um 1h zurückgestellt.
Mittagessen an Bord, gekocht von Jörg, ausgeteilt von Hillu.
Die Ufer werden immer flacher, es gibt viele Sandstrände. Richtung Faro kreuzen
wir, dann nehmen wir die Segel runter und fahren mit dem Motor genau gegen den
Wind. Da kaum Wellen sind, geht das ganz gut.
Es wird dunkel, vor Vilamoursa gibt es aber keine ordentliche
Anlegemöglichkeit. In der dortigen Marina machen wir 22:30 Uhr (Ortszeit) fest,
d.h. wir waren 14½ h für die 74sm unterwegs. Andi und Giovanna gehen noch in
die Bar neben unserem Liegeplatz, die “Oldis” verschwinden lieber in der Koje.

16.7.2013 (Dienstag):
Wir legen 7:50 Uhr von der Tankstelle ab, da wir entschieden haben, lieber vor
dem Hafen in der Bucht zu ankern und dort zu baden und zu frühstücken. Die
Sonne scheint vom blauen Himmel, es ist kaum Wind, nur eine leichte Dünung. Das
bleibt auch bis zu unserem nächsten Badestopp 11:30 Uhr vor Alfanzina so. Zwei
Stunden liegen wir dort vor Anker. Baden, mit dem Schlauchboot zum Strand in
eine der tollen Felsengrotten fahren, Jörg kocht Mittag, Hillu teilt aus.

Unterwegs gibt es eine Fotosession und wir sichten auch immer mal Delphine, die
eine Zeit lang vor unserem Steven mit uns spielen.
Gegen 16:00 Uhr erreichen wir die Einfahrt in den Stadthafen von Lagos, dort wird
gleich getankt (47,5 l) und in der Rezeption die Einklarierung für Portugal
vorgenommen. Die Fußgängerbrücke wird geöffnet und wir können an dem für uns
vorgesehen Steg anlegen. (Liegegebühr 60,89€). Vom Einkaufen im Supermarkt
nehmen wir uns den Wagen mit - es muss
diesmal viel nachbebunkert werden.

Zum Stadtbummel gehen wir über die Fußgängerbrücke in die Altstadt, essen im
Restaurant leckeren Fisch und genießen das Leben im Ort. Es hat für uns
Volksfestcharakter, überall ist Musik, Straßenkünstler stellen sich dar, die
Restaurants sind voll, farbenfrohe gekachelte Fassaden prägen das Stadtbild.

17.7.2013 (Mittwoch):
8:20 Uhr legen wir ab, fahren auf einem schmalen Kanal zum Atlantik und dort
entlang der Praia Dona Ana mit seinem im Sonnenlicht leuchtenden ockerfarbenen
Felsen, Badebuchten und Felsengrotten lösen sich ab.
Leider verabschiedet sich die Elektronik des Autopiloten, also ab jetzt ist
Steuern angesagt.

Nach 1½ h Motorfahrt können wir segeln, mit Groß und Fock laufen wir 5,5 bis
6,5kn einen Kurs von 253° bei Wind aus NNW.
11:00 Uhr erreichen wir das Cabo de São Vicente, das gemeinsam mit der
benachbarten Ponta de Sagres die Südwestspitze des europäischen Festlands
bildet. Die Algarve endet dort in einer felsigen, bis zu 70m hohen Steilküste
mit karger, baumloser Vegetation. Auf dem Cabo de São Vicente befindet sich ein
Leuchtturm, dessen Lichtkegel 32sm über den Atlantik reicht
und der als der lichtstärkste Leuchtturm Europas gilt. Hinter dem Cap
verstärkt sich der Wind auf über 20kn, also 1. Reff ins Groß und Richtung
Norden kreuzen. Unseren Sollkurs von 25° entlang der portugiesischen Westküste
erreichen wir durch Anliegerschläge von 30° und Holeschläge von 290°. Bis etwa
20:00 Uhr können wir segeln, dann schläft der Wind ein und der Motor muss
arbeiten. Heute wird mit 2-stündiger Wachablösung weiter gearbeitet:
1. Wache: Jockel Lietzmann, 2. Wache: Andi Löffler, 3. Wache: Jörg.
1:45 Uhr wird auch Hillu geweckt, wir nähern uns unserem Ziel Sines, wo wir
2:15 Uhr in der Marina anlegen. 92sm sind wir durch das Wasser geflügt, davon
60sm segelnd.

18.7.2013 (Donnerstag):
Erstmal ausschlafen, dann in Ruhe frühstücken, das Boot aufräumen und
saubermachen, Jörg repariert das rote/grüne Navigationslicht, das sich über
Nacht verabschiedet hat. Nachmittags zum Stadtbummel ins Zentrum, Sines ist als
Geburtsstadt von Vasco da Gama bekannt, dessen Denkmal neben der Burganlage
steht. Dort ist eine große Bühne aufgebaut, da hier ab heute das „world music
festival“ mit Musikgruppen aus der ganzen Welt stattfindet. Wir hören vom Boot
aus zu. Zum Mittagessen ein besonderes Erlebnis, wir haben eine Fischrestaurant
neben der Fischverarbeitungsfabrik gefunden. Es scheint ein bei den Einheimischen
beliebtes Restaurant zu sein, man muss auf einen Platz warten. Wir suchen uns
am Tresen Fisch aus, der dann gleich gegrillt wird und super lecker schmeckt.
Abends gehen wir nochmal in die Stadt und schlendern an der Festmeile entlang.

19.7.2013 (Freitag):
8:20 Uhr legen wir ab, nach ¼ h setzen wir die Segel, wir müssen kreuzen.
Der Wind kommt aus NW, der Himmel ist bedeckt, Lufttemperatur angenehme 20°. Ab
10:00 Uhr lässt der Wind nach, wir fahren unter Motor unseren Sollkurs von
340°. 13:25 Uhr kommt wieder Wind, mit Groß und Fock laufen wir hoch am Wind 5
bis 6 kn. Inzwischen scheint die Sonne wieder vom blauen Himmel. Nach 34sm,
davon die Hälfte gesegelt, machen wir in der Marina von Sesimbra fest.
(Liegegebühr 39€). Zum ersten Mal in einer Marina überreicht man uns zur
Begrüßung einen kleinen Präsentkorb, auch sonst sind alle sehr freundlich, ein
empfehlenswerter Hafen. Obwohl der Wind gegen Abend noch zunimmt und wir ganz
vorn im Eingangsbereich der Marina liegen, gibt es kaum Schwell. Die Tide von
2m ist hier schon zu beachten. Besonderes ist in Sesimbra nicht zu sehen, im
Ortszentrum eine kleine Festung und einen schönen sauberen Strand mit in Teak
gebauten Wegen und Strandzugängen. Zum Abendessen gehen wir in ein Fischrestaurant
in Hafennähe, der Fisch ist wieder sehr frisch und preiswert. Heute gab es
endlich Campari zu kaufen, also lassen wir den Abend an Bord mit Campari-Orange
ausklingen.

20.7.2013 (Sonnabend):
Die Wetterkarte verändert sich kaum, die Windrichtung bedeutet wieder hoch
am Wind segeln und so kommt es auch. Bis zum Capo Espichel muss bei blauem
Himmel und wenig Wind der Motor arbeiten, dann wird gesegelt, nach 1 h ist das
1. Reff im Groß erforderlich. 13:30 Uhr erreichen wir den Leuchtturm Bugio,
dann geht es Richtung Osten hinein in den Rio Tejo. Wir haben Glück, die
Strömung geht wegen der Flut flußaufwärts. Mit achterlichem Wind segeln wir bis
zu unserer Zielmarina Doca de Alcantara. Nach 33sm, davon 27 gesegelt, legen
wir 15:30 Uhr an.

Einige Sehenswürdigkeiten von Lissabon konnten wir bereits vom Tejo aus
bewundern.
Die Cristo-Rei Statue, die sich mit ausgebreiteten Armen der Stadt Lissabon
zuwendet, gilt als Wahrzeichen Lissabons. 1966 wurde eine Hängebrücke über den
Tejo nach Almada
fertiggestellt, die der Golden-Gate-Brücke in San Francisco gleicht.
Der Torre de Belém wurde von der Unesco zum Weltkulturerbe erklärt. Der
Wachturm wurde während der napoleonischen Invasion zerstört und 1846
rekonstruiert.
Das Entdeckerdenkmal Padrão dos Descobrimentos wurde 1960 unter dem
Salazar-Regime erstellt, genau 500 Jahre nach dem Tode von Heinrich dem
Seefahrer und soll die alten Zeiten der Seefahrernation Portugal glorifizieren.
Dargestellt ist der Bug einer Karavelle auf dem, angeführt von Heinrich dem
Seefahrer, weitere bedeutende Personen aus dem Zeitalter der Entdeckungen
dargestellt sind. Der 54m hohe Turm, seitlich mit stilisierten Segeln versehen,
versinnbildlicht den Mast der Karavelle.

Abends zum 1. Stadtbummel in die Altstadt. Zuerst besuchen wir die im 17.
Jahrhundert errichtete große Barockkirche der heiligen Engrácia. Die Kirche konnte erst im 20. Jahrhundert
vollendet werden. Sie wurde nie als Gotteshaus genutzt und dient heute als Nationales Pantheon. Davor fährt die
historische Straßenbahn, wir entscheiden uns für die Rückfahrt mit dem Taxi, da
die Rücksäcke schwer vom Einkaufen beladen sind.
..

21.7.2013 (Sonntag):
Ruhetag in Lissabon, mit einem Doppelstockbus zum Sightseeing durch die
Stadt, um erstmal einen Überblick zu bekommen. Vorbei geht es u.a. an der
Stierkampfarena, dem Park Eduardo VII und durch das alte und neue Lissabon.

Dann schlendern wir durch sehr schöne Fußgängerzonen, essen dort in einem
Straßencafe Mittag. Die Altstadt besticht durch ihre Fliesenfassaden und
mittelalterlichen, engen Gassen. In den Innenstadtvierteln prägen auch
Bausubstanzprobleme das Stadtbild. Mit dem Elevador do Carmo, einem 45m hohen Personenaufzug, der im
Stadtzentrum von Lissabon den Stadtteil Baixa mit dem höhergelegenen Stadtteil
Chiado verbindet, fahren wir nachmittags und haben von oben schöne Ausblicke
auf den Platz Rossio mit dem Nationaltheater Donna Maria, auf das vom Erdbeben zerstörte
Convento de Lissboa, auf das Castelo Sao Jorge,….

Dann entdecken wir, dass es im Palacio Foz ein Klassik-Konzert mit Werken von
Ravel, Teleman und Brahms gibt, dem wir eine Stunde lauschen. Mit der
historischen Seilzugstraßenbahn (Elevador da Gloria) fahren wir in den
Stadtteil Bairo Alto, der vor allem wegen seines Nachtlebens bekannt ist. Wir
haben heute Abend allerdings keine Muse mehr dazu, vielleicht genießen wir Fado
an einem anderen Abend. Wir gehen lieber zu den Doca-Kneipen in der Nähe
unserer Marina unter der Hängebrücke und haben einen schönen Abend mit Wein und
Austern.

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