Etappe Afrika - Abbruch der Reise und die Rückkehr . . .
Nachtrag der Berichte vom 2.11.2001 - 11.11.2001

  Position Datum/Zeit (UTC) Breitengrad Längengrad Richtung
45 Tag 57 14.10. - 0:00 14°53' S 24°08' W zurück !!
46 Tag 58 15.10. - 0:00 12°53' S 24°10' W  
47 Tag 59 16.10. - 0:00 10°53' S 24°10' W  
48 Tag 60 17.10. - 0:00 08°27' S 24°26' W  
49 Tag 61 18.10. - 0:00 06°05' S 24°47' W  
50 Tag 62 19.10. - 0:00 03°44' S 24°55' W  
51 Tag 63 20.10. - 2:17 00°01' S 25°00' W  
52 Tag 64 21.10. - 18:00 01°00' S 25°47' W  
53 Tag 65 22.10. - 0:00 00°42' N 25°49' W  
54 Tag 66 23.10. - 0:00 01°10' N 25°46' W  
55 Tag 67 24.10. - 0:00 02°64' N 25°23' W  
56 Tag 68 25.10. - 0:00 04°59' N 25°01' W  
57 Tag 69 26.10. - 0:00 06°09' N 24°25' W  
58 Tag 70 27.10. - 0:00 07°24' N 24°09' W  
59 Tag 71 28.10. - 0:00 08°43' N 23°41' W  
60 Tag 72 29.10. - 0:00 10°02' N 23°19' W  
61 Tag 73 30.10. - 0:00 11°36' N 24°04 W  
62 Tag 74 31.10. - 0:00 12°53' N 24°07' W  
63 Tag 75 01.11. - 0:00 14°19' N 24°33' W  

 


11.11.01 , 06.00 Uhr

Warte auf den Gutachter der Versicherung. 9.00 Uhr. Herr Tiam und Herr Dany sind da. Beinahe schnappt mir ein ebenfalls havarierter Franzose den Versicherungsgutachter weg. Er ist auf ein nicht bezeichnetes Wrack im Hafen gelaufen und gesunken. Herr Dany übersetzt die von mir angezeigten Schäden. Korrekte Schadensaufnahme. Bedanke mich herzlich bei Herrn Dany. Der Franzose wird auch noch abgefertigt. Zum Abschied sichert Herr Tiam schnelle Bearbeitung zu. Wäre sehr dankbar. Gebe Abends telefonischen Bericht in die Heimat. Bin sehr zufrieden mit diesem Tag.


10.11.01 , 06.00 Uhr

Werde wie gewohnt wach . Beginne den Tag mit Müsli und warmer Milch. Dann folgt die Wäsche in der See und Körperpflege (Wunden an den Beinen und Händen desinfizieren wegen der Infektionsgefahr). Arbeiten am Schiff, aufräumen, Spülen der Bilge mit Süßwasser, ordnen der Speisevorräte usw. füllen den Vormittag. Nachmittags in das Dorf. Habe einen Treff von Deutschen im Kaffee Royal erkundet. Dort soll auch Bobby Schenk zu treffen sein (er ist, wie im Internet zu erfahren, in Mindelo eingetroffen). Treffe ihn tatsächlich. Versuche über ihn Unterstützung zu erlangen, leider hat er in Mindelo auch keine Verbindungen, die mir nützlich sein könnten. Trotzdem ein Gewinn, ihn persönlich kennen gelernt zu haben. Esse in einem kleinen Lokal zu Mittag. Gemüseeintopf, 2 gebratene kleine Makrelen und ein kleines Bier. 250 Esc ~ 5,DM. Preiswert.

Bananen 1kg = 100 Esc ~ 1,5 DM. Abends wie inzwischen üblich über Festtelefon Kontakt zu der Landmannschaft in Deutschland. Falk bestätigt noch einmal die Ankunft eines Gutachters aus Dakar/Senegal. Herr Tiam soll französisch sprechen. Über die Vermittlung von Herrn Tailpied hat sich ein ortsansässige Belgier, Herr Dany, bereit erklärt zu übersetzen. Er ist auch mit Schiffen und der einheimischen Werftsituation vertraut.


09.11.01 , 09.00 Uhr

Laufe zur Französischen Vertretung um Unterstützung wegen der Diebstähle zu erbitten. Herr Tailpied, Direktor der Französischschule (sehr nett und Hilfsbereit) will sich meiner annehmen. Da er jetzt zu tun hat, wird ein Treffen um 15.00 Uhr vereinbart. Um 18 Uhr ist es dann soweit. Er fährt mit mir zur Hafenpolizei. Diese hat, da es Freitag ist, bereits Dienstschluss. Amanha!  Ein erneuter Anlauf wird für Montag den 12.11. 10.00 Uhr vorgesehen. Wieder verstreichen 2 Tage ungenutzt.


08.11.01 , 09.00 Uhr

Beschwere mich beim Werftbesitzer, dass es nicht weitergeht. Er sagt, dass ich den Kran bestellen muss. Über Herrn Santos wird telefonisch geklärt, dass dies sein Part sei. Setzen uns ins Auto und erteilen am Hafen Auftrag. Gegen 16 Uhr soll Kran kommen. Bereite alles vor. Hilfsmittel wie in der Steinzeit. 17 Uhr kommt der Kran. Nach 4 Stunden, nicht enden wollendem Gebrüll mit tausend Meinungen ist das Boot aufgepallt. Die Pallung - zusammengesuchter Schrott vom Müllplatz nebenan. Ich bin erschüttert und sprachlos. Meine Maßstäbe an Sicherheit usw. muss ich verschieben, sonst könnte ich das Schiff nicht mehr betreten. Kran 40 Dollar die Stunde.


07.11.01 , 06.00 Uhr, Position Werft Lusonave, 77. Tag

Nichts tut sich, frage mehrmals am Tage nach, amanha! Laufe zum Hafen (ca. 25 Min) und versuche erneut Emigration und Hafenkapitän zu erreichen. Nach 2 h habe ich einen Stempel im Pass, Hafenkapitän nicht auffindbar. Unermüdliche Hilfe durch Herrn Santos aus Mindelo (hat in Deutschland studiert).


06.11.01 , 06.00 Uhr, Position Port Mindelo, 76. Tag

Habe in der Plicht geschlafen um weitere Diebstähle zu verhindern. Die Temperaturen lassen dies zu. Frühstücke, klare auf und tuckere dann zur Werft (lenze dabei ständig). Überall liegen unbezeichnete Wracks. Zum Glück warnen mich einige Einheimische. Liege erst an einem rostigen Dampfer, später an einer Motoryacht längs. Muss auf die Flut warten zum Slippen. Um 8 Uhr beginnt der Vorgang. 2 Taucher und 3 Anbinder stehen bereit. Ich bin entsetzt über die Vorgehensweise. Gebrülle ohne Ende. Die Werft hat kein einziges Ende und keinerlei Vorrichtung. Und das bei diesem Preis. Lackschäden sind unvermeidbar bei dieser Vorgehensweise. 12.00 Uhr. Nach 4 Stunden!!! stehe ich mehr schief als recht auf dem Slipwagen. Mir wird zu einem Wächter angeraten. Auf die Frage nach dem Preis: 2 000 Esc/ Tag (ca. 17 Dollar/Tag). Zum Glück hatte ich mich schon nach gängigen Preisen erkundigt: 700 Esc/Tag (ca. 6 Dollar/Tag). Vereinbare Bewachung zu diesem Preis. Das System klappt, die einen Klauen wie die Raben, damit die anderen Arbeit als Wächter haben. Der Fischer, der mich abgeborgen hat erscheint mit einem Dolmetscher und fordert 2 000 Dollar Bergegebühr. Verhalte mich zurückhaltend, weil ich 1. kein Geld habe und 2. die Forderung für unangemessen  halte. Herr Lopez, der Dolmetscher, Vertreter einer Reiseagentur, Versichert, die Deutschen gut leiden zu können, sonst fiele die Bergegebühr viel höher aus! Nun stehe ich auf dem Slip und warte auf den Kran. Problema, Amanha, Amanha (Morgen)!

Kann nun erstmalig die Schäden konkret feststellen:
- Rumpf Bb 3 m x 1,5 m eingebeult, dabei 9 Spanten bis 3 cm Tiefe ebenfalls verformt
- Rumpf Stb 3 m x 1 m eingebeult, dabei 5 Spanten bis 3 cm Tiefe ebenfalls verformt
- Wassereintritt in den Rumpf nicht ortbar, Kielbereich sieht sauber aus, wahrscheinlich Haarrisse im verformten Rumpfbereich
- Bodensektion im Bereich von 9 Bodenwrangen ca. 3 cm verformt (durch Kiel nach innen gedrückt)
- Kiel leckgeschlagen, Wasser im Inneren und damit elektrolytische Korrosion zwischen Bleifüllung und Aluminiumhülle
- Ruder unten ca. 15 cm abgebrochen, Ruderschaft Rohr 84 x 12 Inox verbogen
- Wellenanlage undicht, wahrscheinlich verbogen.
- Schanzkleid verbogen
- 1 Püttingeisen gebrochen
- 2 Bootshaken 4 m lang Verlust
- 2 Spinackerbäume gebrochen
- 1 Anker mit Kette und Leine Verlust
- 1 Anker verbogen (unbrauchbar)
- Furlex Rollvorrichtung dreht nicht mehr, Führungshebel verformt u. angebrochen
- Masttoppbeschlag verbogen
- Videokamera +Zubehör Verlust
- Komplette Funkanlage gestohlen

Die  Dämmerung bricht herein. Mein "Watchman" (Wächter) macht es sich unter meinem Schiff zur Nacht bequem.


05.11.01 , 06.00 Uhr , Porto Novo/ Santo Antao

Klare das Schiff auf. Versuche den Motor zu starten. Es gelingt, an der Wellenanlage tritt Wasser ein. Gegen 10.00 Uhr melde ich mich bei den Behörden. Klariere ein. Bekomme noch eine Adresse in Mindelo als Kontaktperson. Gegen 11.00 Uhr unter eigener Kraft wieder Richtung Mindelo abgelegt. Lenze ständig Wasser. 13.00 Ankunft in Mindelo. Beginne mit Hafenkapitän, nicht anwesend. Emigration ebenfalls nicht anwesend. Versuche über Telefon Kontaktperson Herrn Santos zu erreichen. Alles Fehlmeldungen. Über Festtelefon melde ich mich in der Heimat bei der Landmannschaft und schildere die Situation. Das Boot steht ca. 3-4 Stunden abgeschlossen ohne Aufsicht im Hafen. Nach meiner Rückkehr stelle ich den Diebstahl der gesamten Funkanlage fest. Chartere für den Rest der Zeit auf Empfehlung sofort einen Wachmann für 600 Esc (ca. 10 DM). Unter Vermittlung von Herrn Santos Hafenkapitän, Emigration und Werft zum Slippen kontaktiert. Herr Santos bemüht sich ohne Ende.

Vertrag zum Aufslippen am nächsten Tag klargemacht. Bin in Notsituation, dies erklärt vielleicht den Preis von 500 Dollar für das Slippen. Etwa das 3-fache wie in Europa bei Bedingungen wie im Mittelalter. Reparatur nicht möglich, da unter Schutzgas nicht geschweißt wird. Verbleibe den Rest des Tages im Hafen unter ständigem Wasserlenzen.


04.11.01 , 06.00 Uhr, Position 17°03’N 24°59’W , 78 Tag

06.00 Uhr. Es dämmert. Das Schiff  hat sich inzwischen gedreht. Es befindet sich in ca. 0,75 Wassertiefe.

Klettere in Abständen an Bord um Mayday über die fest installierte UKW-Anlage zu senden. Schienbeine total demoliert wegen der Schiffsbewegungen. Trotz der geringen Wassertiefe pendelt das Schiff von Bb nach Stb. Ein Polyesterrumpf wäre schon total zerstört. Habe meine Bootsschuhe im Wasser verloren. Rumpf ist immer noch dicht, trotz der inzwischen 3 cm tiefen Einbeulungen. Schneide die Wellenanlage und das Ruder von dem Tauende (Treibgut) frei. Wegen der Pendelbewegungen des Rumpfes sehr gefährlich. Gegen 10.00 Uhr taucht ein Passagierschiff im Kanal zwischen den Inseln auf. Schieße sofort in Abständen 6 mal Fallschirm rot. Klettere auf das Schiff und rufe Mayday. Das Russische Passagierschiff „Maxim Gorki“ meldet sich. Der normale Notverkehr beginnt: Segelyacht Kreuz As, Position 17°03’N 24°59’W, Schlepperhilfe dringend erforderlich, keine Verletzten, sofortige Abbergung von Personen nicht erforderlich. Die Maxim Gorki übernimmt die Aufgabe Mayday Relais. Über Kanal 16 bleibe ich mit Maxim Gorki in Abständen in Kontakt, werde über den Stand der Bergungsbemühungen informiert. Gegen 14.00 Uhr, nach 17 Stunden werde ich von einem Fischerboot freigeschleppt, obwohl der Hafen Mindelo nur ca. 8 sm von mir entfernt liegt. Die an Land geborgenen Sachen bleiben an Land zurück. Nach dem Freischleppen starker Wassereinbruch im Schiff. Reguliert sich auf 10 bis 15 Liter pro Stunde. Der Fischer schleppt mich nach Porto Novo und holt anschließend die zurückgelassenen Sachen. Alle Sachen sind vorhanden, selbst die gebrochenen Spinackerbäume. Bleibe über Nacht in Porto Novo bei stündlichem Wasserlenzen.


03.11.2001 - 19:00 - !!!! Kreuz As in Seenot !!!!

Einige Zeit nach dem Ausklarieren aus Mindelo auf der Insel Sao Vicente (Kapverden) mit Kurs auf die Azoren geriet die Kreuz As in Seenot.

Folgendes ist passiert: Bei einer planmäßigen Wende bei 5-6 Bf. stukte die Kreuz As in eine große Brandungswelle und trieb danach kurze Zeit quer zum Kurs. Als Jockel den Motor startete, um so schnell wie möglich das Schiff unter Gewalt zu bekommen, blockierte der Motor und die Steuerung gleichzeitig. Nach einer Sofortinspektion hatte sich nicht näher auszumachendes Treibgut um Ruderanlage und Schraube gewickelt und es total blockiert. Die Kreuz As trieb hilflos auf die Insel Sao Antao zu und lief auf Grund. Jockel versuchte sich mit zwei Ankern dem immer näher rückendem Land fernzuhalten. Kein Erfolg. Die Kreuz As strandete auf einem kieseligen Ufer. Jockel rettete alle ihm wichtigen Papieren und Geräte zu Füß an Land und sendete aus der von den Wellen hin und her gerissenen Yacht MAYDAY, MAYDAY. . . über UKW-Seefunk - wieder und immer wieder . . .

Von abends 19:00 bis morgens 7:00 keine Reaktion oder Antwort. Am 4.11.2001 kurz nach 7:00 sichtete Jockel einen Passagierdampfer am Horizont. Nochmal sendete er das MAYDAY . . . Der Dampfer antwortete . . . Jockel gab seine Position durch (17°03' N, 24°59' W) und schoß zusätzlich in 5 Minuten-Abständen dreimal doppelt rot zur visuellen Anpeilung in den Himmel. Der Dampfer drehte bei und fuhr auf Jockels Position zu.

Einige Zeit später landete ein Boot und bat Jockel seine persönliche Rettung an. Er lehnte jedoch ab, weil es ihm selber gut ging. Er bat um Entsendung eines Seenotkreuzers oder ähnlichem, um sein Schiff vor der zermalmenden Brandung und somit vor der totalen Zerstörung zu retten. Die "Maxim Gorkiy" versprach Hilfe und setzte danach ihren Kurs fort.

Kurze Zeit später erreichte die "Maxim Gorkiy" die Nachricht, das Jockel von einem Fischerboot aufgenommen wurde und sich zur Zeit mit Schiff in Ponta Tubarao auf der Insel Santo Antao befindet. Auf Jockels Wunsch schickte die "Maxim Gorkiy" um 19:00 ein Fax an Jockels Frau Monika.
Das Fax erreichte Monika genau in dem Moment, als sie zu ihrer Tochter Annett zur Geburtstagsfeier gehen wollte. Monika rief entsetzt bei mir an und ich rannte rüber (ich wohne nur 2 Straßen weiter). Ich versuchte sofort über Auskunft und Internet eine Verbindung zur "Maxim Gorkiy" und den örtlichen Behörden zu bekommen. Hatte keinen echten Erfolg . . . 

Dann rief Jockel bei sich zu Hause an. Wir waren heilfroh, das er gesund war. Alles andere ist zu viel für jetzt.

Ich schickte der "Maxim Gorkiy" von Phoenix-Reisen Bonn sofort ein Dankes-Fax für ihre Rettungshilfe.

Webmaster Carsten 'Casi' Lippert


03.11.01, 07.00 Uhr, Position Marina Mindelo, 77. Tag,

Gehe in die Stadt. Sehr ärmlich und Trostlos. Viele Investruinen. Sehr schmutzig. Die Menschen von sauber und adrett bis unterste Armutsgrenze. Unsere Bewertungsmaßstäbe darf man nicht anwenden (ist auch nicht angebracht).  Die Mädchen sehr schön anzusehen. Braun, bekleidet mit Top und kurzem Rock, verschwenderischer Busen. Kriege über Telefon zu erfahren, dass Ersatzkocher frühestens in einer Woche bis in drei Wochen kommt. Beschließe den vorhandenen Kocher zu reparieren. Reparatur gelingt unter Landbedingungen. Ein Glück dass ich einen Propanbrenner dabei habe. Mache Probekochen mit extremer Belastung (lange und volle Flamme). Die Kajüte dampft. Kocher hält das Zündgas. Beschließe zu den Azoren auszulaufen. Ca. 20 Tage Segelei gegenan. Kratze im Hafen noch die Entenmuscheln ab. Mache Schiff klar.

16:00 UTC - Telefonat mit Jockel aus Mindelo

Hallo Casi, liege in der "Marina Brossmann". Ein verrosteter Dampfer mit 4 Mulatten, die den Laden schmeissen. Von Brossmann keine Spur. Weiss nicht wie das endet. Ich fange morgen mit der Reparatur des Kochers an. Geld gibt es erst Montag. Ruderreparatur denke ich kann man hier nicht machen, brauche ich auch nicht, da es funktioniert. Sag doch bitte die Adresse oder Tel.Nr. von Stützpunktleiter Trans-Ocean, Bernd Goettel, an. Vielleicht kann und will der helfen. Kann aber kein echtes Urteil über Brossmann fällen, da ich ihn ja noch nicht gesehen und gesprochen habe. Jedenfalls liege ich an einem Dampfer mit Dinghi-Verbindung zum Land und Stromanschluss für 9 Dollar den Tag, das geht eigentlich. Werde morgen versuchen mit ihm zu telefonieren. Sonnabend Sonntag ist hier alles zu. Wenigstens kann ein Mulatte, Paul, ziemlich gut Deutsch. Verständigung also möglich. Weiteres morgen telefonisch wenn es geht. Notfalls melde ich mich über Handy. Jockel

19.00 Uhr leinen los. Zuerst aus der Bucht von Mindelo gemotort. Später Segel hoch und ab geht es in die anbrechende Nacht hinein. Werde die Insel Santo Antao nicht mit einem Schlag in Lee liegen lassen können. Werde verholen müssen. Seglerschicksal, Seemanns Braut ist die See...

21.00 Uhr. Wollte wenden und bin wegen der stehenden Welle nicht auf den anderen Bug gekommen. Habe zur Unterstützung den Motor eingesetzt. Dieser ist nach dem Einkuppeln sofort wieder ausgegangen. Gleichzeitig war die Ruderanlage blockiert. Wie sich später herausstellte hat sich ein Tauende um Propelleranlage und Ruder geschlungen und mit dem Einkuppeln der Wellenanlage beide Anlagen blockiert. Sofort Segel geborgen und mich zum Tauchen vorbereitet (Sicherungsende und Messer). Ins Wasser eingestiegen, finster wie nicht vorstellbar. Heck arbeitet schwer in der See. Servoruder der Selbststeueranlage, Sicherheitsleiter und Ruder fangen ständig die Sicherheitsleine ein und werden umschlungen. Das Heck trifft mich am Kopf beim Eintauchen. Befürchte besinnungslos geschlagen zu werden oder mich unter Wasser mit der Sicherheitsleine zu verschlingen. Kann außerdem in der Dunkelheit bei diesem Wellengang Ursache nicht erkennen. Breche Tauchversuche ab. Sichere die Segel erneut um nicht so schnell auf Legerwall zu treiben. Abstand noch ca. 1 sm. Überlege nach Lösungsmöglichkeiten. Treibe mit ca. 2kn nach Lee. Setze, um Strandung zu vermeiden, 2 Anker. Beide finden auf diesem  Grund (steil und felsig) keinen Halt. Kann Strandung nicht abwenden. Funke in Abständen von einigen Minuten Mayday (Schiff, Position, Schlepperhilfe,..). Höre Sprechverkehr auf Kanal 16, aber keine Reaktion auf meinen Ruf. Strande gegen 21.30 Uhr in einer kleinen Bucht. Eine Ankertrosse ist gebrochen, der 2. Anker total verbogen und damit wirkungslos. Das Schiff setzt ständig hart auf den Grund auf und wird weiter auf den Strand gedrückt. Versuche mit Bootshaken und Spinackerbäumen den Steven auf See zu drücken, und so Seeraum zu gewinnen, misslingen. Die Spinackerbäume knicken weg. Da ich fürchte , dass das Schiff auseinander bricht , berge ich wichtige Sachen an Land. Funke dazwischen ständig Mayday. Über Handy informiere ich Herrn Broßmann in Mindelo über meine Situation. Er verspricht die Behörden zu informieren (wie er später berichtet, hat er durch persönliche Information die Hafenbehörden über den Seenotfall informiert). Verbringe die Nacht an Land. Batterie des Handfunkgerätes ist leer.


02.11.01 , 00.00 Uhr, Position 15°53’N 24°32’W, Wind SE4, 76. Segeltag, Odometer 7616sm

In der Nacht pendelt der Wind ständig. Je höher ich am Wind segele, um so angenehmer ist es. Die Segel schlagen nicht so und der Speed nimmt zu. Gegen 07.30 bekommne ich die ersten Inseln Steuerbord in Sicht. Gegen acht Uhr will ich mir Frühstück machen. Kocher hat eine neue Macke! Unten an der Verschraubung tritt Petroleum aus. Werde sehen ob eine neue Dichtung genügt oder was zu tun ist. 11.15 Uhr. Habe den Kocher wieder dicht. Könnte zum Schwein werden. Die Inseln Sao Nicolau, Santa Lucia, Sao Vicente,  und Santo Putao liegen zum Greifen vor mir. 6-8 h werden es noch werden bis in den Hafen von Mindelo/Sao Vicente. 12.00 Uhr. Es ist immer wieder spannend eine unbekannte Inselgruppe anzulaufen. Man macht den Standort in der Karte über SATNAV, peilt Landmarken und kontrolliert den Standort. Schaut durchs Fernrohr, peilt wieder. Kontrolliert die Tiefe auf Echolot  und Karte. Wo ist die Einfahrt? Wie ein Krimi! In Wirklichkeit sind noch 4 h Zeit. Eile und Hektik nicht angebracht. Trotzdem werden Schiffspapiere, Pass, Kreditkarte, Telefon bereitgelegt. Übrigens, ich wusste nach 70 Tagen Segelei beinahe meine Telefonpin nicht mehr. Habe sie jetzt aufgeschrieben. Werde auf See noch fürstlich essen. Es gibt Kartoffeln +Zwiebeln, Kassler mit Sauerkraut und als Kompott Fruchtcocktail. Hoffentlich erlaubt der Skipper Landgang. Will wieder mal eine Frau anfassen, die zarte Haut spüren. 14.00 Uhr. Laufe an der Küste von Sao Vicente unter Genacker ab. Noch 2sm bis zum Leuchtturm und dann scharf Steuerbord 8sm bis zum Hafen Mindelo. Ein Dampfer passiert mich im Abstand von 200m in Gegenrichtung. Die Küstenregion wie bei den anderen Inseln steinig und karg. 15.30 streiche ich den Genacker. Ging gerade noch so. War letzte Eisenbahn. Bin 7,5 kn gelaufen und dann alleine. 16.30 Uhr. Habe die SW-Ecke der Insel erreicht. Runde sie ziemlich dicht da überall sehr tief. Liege sofort im Windschatten und Gegenstrom (wissentlich). Wollte die Huk dicht runden und besehen. Jetzt noch 6sm bis Mindelo, aber gegenan. Im Kanal zwischen den beiden Inseln kommt es etwas anders als auf See. Wechsel noch einmal von Genua auf Fock. Hätte auch Groß und Motor nehmen können. Will aber ordentlich segeln. 18.00 Uhr. Mindelo liegt 2 sm vor mir in der Sonne. Bin gespannt was mich erwartet. Hoffentlich kann ich alles flott reparieren und dann weitersegeln, ehe der Winter im Norden mit seinen Stürmen kommt. Habe alles was zu erledigen ist notiert, damit ich nichts vergesse. Boot ist vorbereitet, Fender und 5 Anbindeenden  liegen bereit. Wird schon werden. 19.42 Uhr. Im Hafen fest. Elektrik angeschlossen. Verschwenderisch alle „Kerzen“ an. Landladegerät schiebt mit 21 A nach.


Nachtrag vom 15.11.2001 via Internet Cafe aus Mindelo - Sao Vicente - Capverde

Hallo da bin ich wieder, wenn auch etwas gerupft, aber ich lebe! - Zunächst die Meldungen der letzten Meilen zu Wasser.

63. 01.11.01. 00.00 Uhr Position 14°19' N 24°33' W Wind NE2, Etmal 94 sm, Odometer7514 sm, Tag 75

Wind hat nachgelassen. Wechsel auf Genua. Motore von 4-8 Uhr. Habe Ilha Fogo mit Sao Filipe im Blick. Viele Lichter. Sehr bewohnt scheinbar. Wovon leben diese Menschen. Briese aus NNE4 ist aufgekommen. Segele direkt auf Ilha Braia zu. Überlege, ob ich in Luv oder Lee durchgehe. In Lee ist bestimmt kein Wind., da die Insel 1000m hoch ist. Ein einziger Felsklumpen. Steile steinige Hänge. Werde östich, also in Luv vorbeigehen. Brauche sowieso die Höhe, habe besseren Wind und kann die einzige Stadt (Dorf) sehen, die es auf der Südinsel gibt. Kreuze an der Küste auf. In einer Bucht, umrahmt von Felsen , hausen Leute in einer Höhle. Sehe mehrere Kinder durchs Fernrohr. Tiere oder Felder, wovon sie sich ernähren könnten, sehe ich nicht. Wie reich sind wir? Unvorstellbar für diese Menschen. Habe die Insel Brava passiert. Vor mir liegen ein paar Felsbrocken im Wasser. Wenn ich sie passiert habe, noch 130 sm bis Mindelo. Hoffentlich hält der Passat Richtung und Stärke bei. Dann könnte ich in 1,5 Tagen dort sein. 13 Uhr. Laufe mit schöner Briese nach N. Nehme Reservehöhe mit, brauche nur 340°. 17 Uhr. Muss jetzt tiefer gehen. Laufe sonst 40° zu hoch. Das ist ja vom Ziel weg. Auch auf die Gefahr späterer Drehung nach N . Schiff passiert mich ziemlich dicht. Vom Kurs her geht es nach Dakar. In den Kapverden gibt es keinen Hafen diese Größe. Bei Kontrollgang in den Mast festgestellt, beide Unterwanten am Pressterminal 1 Draht von 19 abgerissen. Nicht substantiell, aber zu beobachten. Stelle beide Unterwanten etwas loser, um Belastung zu mindern. 20 Uhr. Wind legt zu und raumt. Muß raumschots ablaufen. Bin sehr zufrieden. Noch 67 sm bis Mindelo. Sehr helle Nacht und Lau. 
Tschüs, tschüs Jockel


62. 31.10.01, 00.00 Uhr, Position 12°53'N24°07'W, Wind NE 5-6 , 74. Segeltag, Odometer 7420

Rase bei 20 kn Wind gen N. Bin sehr zufrieden, obwohl die Bumserei schon schlafstörend ist. Versuche wegen Wind = Strom noch eine Meldung. Die Nacht verläuft sehr ruhig. Alles ok, keine Schiffe. Um 8.30 dreht der Wind auf NNE. Scheibenkleister. Wende nach E in der Hoffnung auf einen Rückdreher. Wechsel auf Genua. Wieder 3 fliegende Fische an Deck. Nach Mindelo/KV 210 sm. Um 11 Uhr briest es auf und geht auf die alte Richtung. Muss auf Fock wechseln. Mittagessen wegen der Wärme lustlos. Schreibe mir Vokabeln aus dem Wörterbuch die ich brauchen könnte. Habe Kartenwechsel gemacht. Habe bemerkt, dass auf dem Weg nach Mindelo die südlichen Kapverden liegen. Ilha Brava liegt genau im Weg. Werde sie in ca. 12 sm Abstand passieren, aber die Leuchtfeuer sehen. Bin ja sowieso wach. Kein Problem mit einer Strandung. Auch Ilha Fogo kommt in Betracht. Beide Leuchtfeuer tragen 10 sm. Das sind mindestens 2 h zum verschlafen. 20.30 Uhr. Funk schlecht geklappt. Senden ging gerade noch so, dann ist die Spannung zusammen gebrochen und der Sender hat automatisch abgeschaltet. Werde Mitternacht noch einmal probieren. Super Nacht. Mit ein paar Kumpels könnte es phantastisch sein. Ich bräuchte auch nicht so viel nach außen kommunizieren. Mitternacht hat der Wind total nachgelassen. Gleite ruhig durchs Wasser. Der Vollmond macht die Nacht taghell.


61. 30.10.01, 00:00 Uhr, Position 11°36'N 24°04'W, Wind NNE 4, 73. Segeltag, Odometer 7315 sm

Um Mitternacht hat der Wind etwas nachgelassen und 20° zu meinen Ungunsten gedreht. Kann Kurs auf Kapverden nicht halten, muss aufkreuzen. Wende um 9 Uhr nach E. Muss Höhe holen, da der Wind in 2 Tagen auf E drehen soll. Wenn ich dann westlich der Kapverden bin, kreuze ich nach E hoch. Lege um 9 Uhr wieder um, da der andere Bug besser zieht. 12 Uhr. Eben kam die Genua von oben. Patentschäkel ist aufgegangen. Der 2. Fall dieser Art. Schäkelbügel total verbogen. Versuche ihn zu richten. Wende, Wende, Wende - wie auf dem Müggelsee bei einer Regatta. Zumindest übt es. Will unbedingt an der Luvkante sein wenn der Wind auf E dreht. 18 Uhr. Intermar nicht bekommen um Wetterbericht zu verbessern. 19.10 Uhr. Meldung an Casi losgeworden und eine wichtige von Falk empfangen. Ersatzkocher kommt per UPS auf die Kapverden und es gibt eine Marina in Mindelo/KV. Kumpels ihr seid rührig. Was täte ich ohne Euch. Ich leiste aber auch meinen Teil, segele den 73. Tag und bin guter Stimmung. Das wünsche ich Euch auch. Habe Wetterwelt (minimaler Wetterdienst von Wetterwelt.de über Kielradio mit direktem Datenzugriff über FTP) probiert. Das kann so nicht bleiben. 2 Seiten Angebotslisten und die Seite, die man öffnen will ist nicht zu öffnen. So viel Strom hat ja kein Yachty.

Tschüß, tschüß Jockel


Rammel mit 20 kn Wind gegenan und habe deswegen Strom für eine weitere Meldung.

60. 29.10.01, 00.00 Uhr, Position 10°02'N 23°19'W, Wind NE 4, 72. Segeltag, Odometer 7210 sm

Super Briese aus NE. Kann N Laufen. Funk geklappt, bin zufrieden ! Verabredung mit Bernd Göttel in Mindelo/ Kapverden, Trans- Ocean-Stützpunktleiter. Um 4 Uhr begegne ich Dampfer Mache Licht an. 5 Uhr briest es auf, wechsele Genua gegen Stagfock. Um 8 Uhr kann ich wieder auf Genua gehen. Kann Höhe zu den Kapverden nicht halten, werde aufkreuzen müssen. Bin offensichtlich (hoffentlich) aus den Doldrums raus. NO-Passat aber sehr nördlich. 12 Uhr. Mache Bordroutine. Alle Systeme kontrollieren. Die Farbe am Rumpf ist jetzt bis zur Hälfte bis auf den Spachtel ab. Zum Mittag gibt es Linsen. Durch die Wärme keinen Appetit. Wind will nicht richtig. Kommt immer in Schüben, wenn stärker, dann 15° östlicher. Um 15 Uhr kreuzt ein Frachter im Abstand 5 Kabel meinen Kurs. Spreche ihn an. Er antwortet. Gespräch nicht möglich. 18 Uhr. Laufe jetzt flott. Wetter von Intermar gehört. Um Kapverden heute NE 10-15 kn, Dienstag NE 15-20 kn, Mittwoch NE 10-15 kn, Donnerstag E auf NE 10-15 kn Freitag 10 kn und Sonnabend NE 15-20 kn. 19 Uhr. Habe blitzeilig auf Fock gewechselt. Hat mächtig zugelegt. Wenn es weiter zulegt, bliebe in der Nacht nur die Stagfock. Segelwechsel in die Kiep des Vorstags ist in der Nacht nicht möglich. 22 Uhr. Ein Glück daß ich die Fock drauf habe. Keinen Quadratmeter könnt ich mehr tragen. So geht es gerade so. Tschüß Jockel


59. 28.10.01, 00.00Uhr, Position 08°43'N 23°41'W, Wind SSE 5, 71. Tag, Odometer 7118 sm

Wetter unangenehm nass. Wind ok, treibt mich nach N. Ab 3 Uhr dümpele ich in der Welle und zerscheuere mir die Segel. Nervig! Von 3-7 Uhr gemotort. Jetzt kommt leichte Briese aus N auf. 11Uhr. Der Wind pendelt zwischen NNE und ENE. Laufe auf Steuerbord und Backbord, eigentlich geht gar nichts mehr, da die Welle genau gegenan steht. Müsste eigentlich 30° laufen. Hier ist aber keine Wunschsendung. Befeile 3 Rutscherschäkel, da sie im Originalzustand verklemmen. 13.30. Kann wieder nach N laufen, Teilweise sogar 12°. Nehme ich natürlich mit. Eben grüne Bohnen gegessen. Schmecken. Sonne unerträglich. Liege hinter dem Segel im Schatten und genieße den Wind. 16.30 Uhr. Höre bei Intermar rein. Sie hören mich nicht. In der Kajüte ist es nicht auszuhalten vor Wärme. 21 Uhr. Habe eine super Briese erwischt. 4,5 kn nach N. Funk (senden) um 18 und 19.30 erfolglos. Empfang war gut. Stelle mir Wecker und werde es Mitternacht wieder versuchen. Vorhin wieder Frachter gesichtet. Fahre ohne Licht wegen Strommangel.


58. 27.10.01 , 00.00 Uhr, Position 07°24'N  24°09'W, Wind SSE 4, 70. Segeltag, Odometer 7032

Alles ok, Sehr laue Nacht. Genua ausgebaumt. Setze um 6 Uhr Genacker. Wieder Wasser im Schiff: Plastikbehälter undicht, der 2. !! Morgentoilette sehr ausgiebig. Genacker rauf, Genacker runter, so geht es den ganzen Vormittag. Mittagessen Gulaschsuppe. Muss anschließend Baden wegen der Hitze. 15 Uhr. Erst Wind ganz weg, dann Gewitter aus W. Nehme Spi weg, rechtzeitig. Wind legt ruckartig auf 20 kn zu. Nehme in den Spitzen die Genua weg. Regenwand läuft auf mich zu . Habe alle Sachen gestaut. 16 Uhr. Habe im Mast 3 Scheuerstellen beseitigt. Ganz unkonventionell mit Bindedraht. Jetzt ist der Einlauf der Fallen gerade und ich hoffe es geht so ohne Scheuern. 16.30 passiert mich eine Delphinschule. Sie sind immer in Eile. Haben aber super Stücke gezeigt: Dreiersynchronspringen vor dem Bug, Überschlag usw. Esse fürstlich zu Abend. Treibe nur zu langsam nach N. Danach überrollt mich wieder eine Gewitterwalze. Habe Glück gehabt, habe sie bemerkt und Genacker geborgen. Wind dreht um 100° und von 3 auf 7 Bft. Unter der Wolke dreht der Wind nochmals um 360 °. Anschließend halbwind nach N. Werde die Nacht wohl wieder kein Auge zu kriegen. Lege mich erst mal trocken. 20 Uhr Wind weg, dümpele nach N.


57. 26.10.01, 00.00Uhr, Position 06°9'N 24°25'W, Wind SSE 6, 69. Segeltag, Odometer 6950

Barometer in 2 Stunden 2 Striche gefallen. Werde es beobachten. Laufe die ganze Nacht hoch am Wind bei schwacher Briese N. Um 6 Uhr schütte ich Groß aus und wechsele auf Genua. Noch ca. 200sm in den Doldrums und 750 sm bis Kapverden/Mindelo. Um 10 Uhr kommt Wind 5 Bft aus E auf. Schmettere mit 6 kn nach N. 14 Uhr. Justament wenn ich Mittag esse kommt ein Gewitter. Aber plötzlich , unvorstellbar. Nach dem Gewitter dümpele ich vor mich hin. Habe Kontakt mit Intermar gehabt. Haben Wetter angesagt. Wegen der Dümpelei habe ich Segel runter. Klebe alle Scheuerstellen ab. Einige sind fast durch, dort beidseitig. War dringend notwendig. 19 Uhr Der Mond steht schon sehr hoch und fast voll. Laufe jetzt mit achterlichem Wind. Ich hoffe auf eine schöne Nacht mit Weg nach N ohne Unwetter wie gestern. Übrigens, meine Schwalbe ist gestorben. Da sie kein Futter hier findet kein Wunder. Seebestattung 1. Klasse!


56. 25.10.01 , 00.00 Uhr , Position 04° 59' N 25°01' W, Wind 0, 68. Tag, Odometer 6868 sm

Alles ok. Mein Gast hat sich in meinen Blaumann (Faserpelz) eingekuschelt. Kaum Fahrt, Segel schlagen in der Dünung. Ab 6 Uhr Motore ich nach N. Liege dazwischen jeweils eine Stunde bei, um die Entenmuscheln abzukratzen. Länger als 1 h hält man es nicht aus. Nicht wegen der Temperatur, sondern wegen der Anstrengung. Die Biester sind zäh wie Leder . 13.00 Uhr. Beim Motoren plötzlich Wasser im Schiff. Alarmstufe 1. Kontrolliere ges. Auspuffanlage wegen des zwar kurzen, aber immerhin vorhandenen Trockenlauf. Alles ok. Lenze Wasser aus Bilge und beobachte. Ohne Motorlauf trocken, mit Motor Wasser, vermehrt. Montiere alle Verkleidungen ab um besser sehen zu können. Axialwellendichtung an der Antriebswelle lässt Wasser durch. Lege alles frei und stelle Dichtung nach. Richte alles wieder her. 2 h Arbeit. Zum Glück in den Doldrums, ohne erhebliche Welle. Bin pitschenass, gehe Baden. 17 Uhr kommt Wind aus N auf , halte nach E um besser in den NE-Passat zu kommen. Habe mir zur Belohnung für die gelungene Reparatur ein Bier spendiert. 19 Uhr. Super Funk gehabt. Casi ist Spitze. Er fragt was ich auf den Kapverden brauche. Eigentlich nichts. Werde sicher den Kocher unter Werkstattbedingungen reparieren. Obst, Gemüse usw. werde ich kaufen, und fertig ist der Lack. 19.40 Uhr. Zur Nacht überfällt mich beim Abendbrot eine Wind- Regenwalze. Die Richtung ist super. Laufe 10°, da könnte es 4 Tage pissen. Mit dem Wind wäre ich raus aus den Kalmen. 21 Uhr erneute Windwalze. Muss durchreffen. Danach totale Pumpe. 23.20Uhr Habe noch kein Auge zugemacht. Trotzdem positiv. Jockel

Hatte heute Nacht Wind, deswegen die Meldung. Kann auch schlechter werden mit Funk und Empfang. Nur das Nötigste senden.


55. 24.10.01 00.00 Uhr, Position 02° 64'N 25°23' W, Wind SSE 4 , 67. Tag, Odometer 6758 sm

Um 02 45 überfällt mich eine Regenbö. Nehme Genua weg, Groß steht noch komplett. Um 5 setze ich Stagfock. Dirk hat sich an der Baumnock losegeschlagen und hängt an der Wante. Mache ich bei Licht. Um 8 Uhr 15 l Wasser aufgefangen, alle anderen Arbeiten unterbrochen. Schauer hinter Schauer, Windwalze hinter Windwalze. Eben wieder Genua mit letzter Kraft weggedreht. 15.00 Uhr Der Regen hat aufgehört. Habe 80 l Wasser aufgefangen. Mit dem Regen ist der Wind weg. Bin in den Doldrums. Mal sehen wie breit sie sind. Nominell 300 sm. Da die alte Welle steht, geht gar nichts mehr. Werde jetzt Mittag machen. Habe wieder Hausgast, eine Schwalbe. Um 19.40 kommt wieder Wind. Laufe mit Schrick in den Schoten nach NNE. Cornell empfiehlt weiter westlich. Will aber Kapverden möglichst ohne Kreuzen erreichen, um meinen Kocher endgültig zu reparieren.


Hallo da bin ich wieder! Nachtrag vom 23.10.

Temperaturen unangenehm. Feuchtwarm. Gegen Abend angenehmer außer in der Kajüte. 21.20 Uhr habe Kontakt mit Webmaster Casi. Der kümmert sich um jeden Mist. Stimmung eigentlich gut trotz Umkehr. Das Positive lasse ich in meinem Kopf dominieren. Gehe jetzt in die Plicht schlummern. 0 Uhr wieder Funkversuch. Eine dolle Nacht, der Mond zunehmend, der Wind moderat. Wecker für 0 Uhr gestellt.


54. 23.10.01, 00.00 Uhr , Position 01°10' N 25°46' W , Wind SSE 5, 66. Tag, Odometer 6624 sm

Funk heute wieder total besch... Um 00Uhr nichts, um 03 Uhr dann Kontakt bekommen. Wie vermißt man da ein Handy. Sonnenaufgang 7.30Uhr Habe in der Dämmerung versucht die Venus zu schießen (Foto), ist wegen der Wellen misslungen.
09.30. Habe eine Stunde beigedreht gelegen. Beim Probelauf Motor kein Kühlwasser. Filter und Pumpe total trocken. Gerate ein bißchen in Panik. Segel runter, getaucht. Um die Öffnung alles Entenmuscheln. Öffnung mit Spachtel und Messer gesäubert. Bei der Welle ein Kunststück. Dann ins Boot und Schlauch am Einlauf ab. Wasser da! Filter montiert, Schlauch angeklemmt, Wasserpumpe montiert. Probelauf: alles ok. Ein Stein fällt mir vom Herzen. Brauche das Ding doch spätestens im nächsten Hafen. Bemerkt man so etwas nicht, kann der Motor fressen, der Abgasschlauch und der Wassersammler verbrennen - eine Katastrophe. Bin jetzt wieder auf Kurs. Mache um 14 Uhr wieder Mittagsbesteck. Liege nicht ganz so gut wegen der Welle. Mittags Nudel mit Huhn. Eigentlich lecker, wenn ich ein Huhn gesehen hätte. Mache jetzt Schluss. Mir lauft das Wasser am ganzen Körper runter. Tschüss, tschüss Jockel


53. 22.10.01 ,00.00 Uhr, Position 00°42'N 25°49'W , Wind SE 5 , 65. Tag, Odometer 6480 sm

Da kurz vor den Kalmen der Wind südlicher weht, segle mehr nach W um später höher am Wind segeln zu können. Der normale Bordalltag tritt ein. Morgeninspektion aller Schraubverbindungen, Terminale , Splinte usw. . alles Ok. Anschließend Waschen und Zahnbehandlung. Danach große Wäsche. Zwei Wasserbehälter riechen muffig und ich werde sie nicht trinken. Also Süßwasserwäsche. Mache mit dem Sextanten wieder Mittagsbesteck. Anlass ist, dass der GPS 21 kn Fahrt anzeigte und einen falschen Kurs. Habe ihn sofort neu initialisiert. Geht auch wieder. Ursache war der schlechte Empfang der Satelliten. 17.00 Uhr. Habe Durchfall. Könnte von dem Käse sein dessen Verpackung so aufgeblasen war. Hat auch schlimm gestunken. Werde ihn entsorgen. Es frischt auf. Laufe unter Groß und Genua 7 kn. Werde Genua wegnehmen müssen. Kann Fock bei dem Wind aber nicht vorheißen. Also Stagfock. 20 Uhr. Habe 4x Funkkontakt versucht. Nicht möglich.


Hallo Sportkameraden, melde mich wie gesagt vom Rückweg. Nun wirklich endgültig. Ich hatte vorher immer noch an dem Kocher gebaut, aber es hat sich als nicht möglich erwiesen ihn dauerhaft zu reparieren. Die Lunker, die ich zugepappt habe, ist nach einigen Betriebsstunden durch Hitze und Druck wieder aufgegangen. Und ohne Kocher in die südlichen Bereiche fahren heißt, kein warmes Essen, keine warmen Getränke, ein Teil der Verpflegung nicht einsetzbar, Kakao oder Tee nicht zuzubereiten, immer kaltes Wasser trinken... Da habe ich für mich die schmerzliche Entscheidung getroffen umzudrehen. Wieder umzudrehen, auch wenn am nächsten Land (Kapverden) eine Reparaturmöglichkeit besteht, kommt für mich nicht mehr in Frage, weil ich das Zutrauen verloren habe und in den südlichen Breiten keine Hilfe möglich ist.
Auch die Rückreise ist noch eine Herausforderung, habe ich doch bis Gibraltar ca. 2600 sm und bis ins Mittelmeer noch 3600 sm zurückzulegen. Das bedeutet mindestens 30 oder 40 Tage auf See. Aussteigen wie bei einer U-Bahn geht hier nicht. Soweit in Kürze . Ich werde über meine Erlebnisse auf der weiteren Tour wie bisher berichten. Jockel


52. 21.10.01, Position 01° S   25°47' W, 18.30 Uhr UTC, Tag 64

Um 5.30 Uhr überfällt mich eine Regenbö mit Windwalze. Nehme Fock weg. Denke, es wird nicht lange anhalten. Danach sehr dünn aus Süd. Fahre nach Westen. Um 08.30 setzt der SE-Passat wieder ein. Laufe 190° über Grund. Wechsele Fock gegen Genua ein. Um 10 Uhr Genua wieder zu groß. Beim Wechsel diverse Schamfielstellen entdeckt. Tausche am Mastfuß die Rollenpositionen, um dies zu verhindern. Habe von 10- 13 Uhr zu tun. Uff. Werde mir jetzt Essen machen. Um 16.30 noch einmal gebadet. Zum Glück, jetzt ist richtiger Prim, da ist Baden nicht mehr drin. Wechsele wieder auf Stagfock. Wollte eben Abendbrot machen . . .
Wieder das Zündgas weg. Ich kann nicht mehr heulen. Diese seelischen Tiefs nach der keimenden Euphorie . . . ein Absturz.
Abendbrot habe ich natürlich gemacht mit Propanvorheizung. Habe Schwierigkeiten bei diesen Wellen mich anzuklammern, den Kocher zu halten und den Brenner auf die richtige Stelle zu platzieren. Dabei sind hier die Bedingungen ja noch moderat.

Also und endgültig: Ich segle wieder nach Nord auf Kapverden, Canaren, Gibraltar. Verbindung und Berichte wie bisher. Jockel


51. 20.10.2001 - 02:17

Casi, Du müßtest auf dem Boot sein . . . . . . Der Entschluß, rückwärts zu fahren, ist nicht einfach. Ich muß mindestens 3000 sm ohne Motivation zurück, bei schlechteren Bedingungen als hin, wegen der vorherrschenden Winde. Wieder umzudrehen heißt: erst mal habe ich jetzt schon 1000 sm rückwärts gemacht, bis Kapverden noch 2000 sm. Einen Kocher oder die Reparatur muß ich sowieso machen. Dann wieder in die andere Richtung, obwohl das Ziel (nonstop) dann schon verfehlt ist. Da habe ich gesagt: Du hast deine Chance gehabt und verfehlt. Eine Reparatur, wie ich sie mehrmals versucht habe ist scheinbar unmöglich. Bei ständig 3m Welle ein Ding. Das mir das überhaupt mit dem Löten gelang. Im Niedergang stehend, Kocher mit 2 Gripzangen und Zwinge hochgestellt. Wegen des Überholens ständig alles umgekippt usw. usw. Irgendwann denkst Du - ohne daß ich Probleme mit dem Alleinsein habe - überleben ist vielleicht doch wichtiger als der verfluchte Ego. Also: Reparatur oder neuer Kocher muß sein, also muß ich wo hin.
Dein Vorschlag mit Fremdvorheizung
(ich hatte an Übergangslösung mit der Lötlampe gedacht - aber nur wenn gefahrlos möglich!!) geht bei mir nicht. Müßte ganze Kochstelle umbauen, da Kocher unter Seitendeck steht. Sonst zünde ich den Kahn an. Werde den Kocher unter Werkstattbedingungen reparieren. Dann wieder umkehren und die ganze Sch.... von vorn ? Wobei ja unklar ist, was dann passiert.
Da habe ich mir gesagt: Sch.... , aber zurück ist letztendlich vorwärts. Bringe den Kahn in 30 oder 40 Tagen nach Gibraltar oder Marmaris. Bocke ihn dort auf und überhole ihn. Im Frühjahr machen wir dann 2 Törns im Mittelmeer mit den Kümmerern und fressen alles auf was da ist. Alles weitere dazu über Festnetz von den Kapverden. Deine Hilfe brauche ich aber trotzdem. Mache weiter Tagesberichte. Brauche ab Kapverden dringend Wetterberichte, da es dann ständig gegenan geht. Casi sei nicht sauer, ich muß auch damit leben, wenn auch besch....... Jockel
(Bin auf keinen Fall sauer - eher sehr stolz auf Dich)


Nachtrag  20.10.2001 - 21:20

20.10.01, 00.00 Uhr, Position 01°22'S  24°53'W, Wind SE 5, Odometer 6131, Tag 63

Alles OK, laufe N. Funk nicht möglich. Um 04 Uhr bekomme ich 2 Meldungen raus.
Ab 9 Uhr wieder Sonnensegel gespannt. Morgeninspektion ok. Lese. Noch 13 sm bis zu Äquator. Mache zum Mittag Linseneintopf. Kreuze den Kurs einer großen Motoryacht (ca. 60m). Sie arbeitet schwer in der schräg laufenden See.
15.15 Uhr. Überquere Äquator von S nach N. Da ich getauft bin kein Empfangskomitee. Pos. 00°00'S  25°10'W. Trotzdem einen erheblichen Schluck Rum für Rasmus.
Nachdem ich den Äquator Richtung Nord überquert habe ist, mir der große Wurf gelungen, habe den Kocher repariert.

Kehre Richtung Süd um. Bin jetzt wieder 00°00'55'' S.

Ob das richtig ist ?!? Wir werden sehen !  Bin auf Kurs. Meldung folgt. Jockel


50. 19.10.01, 00.00, Uhr Position 03°44' S  24°55' W, 62. Segeltag Odometer 6131 sm

Alles OK. Schlafe in der Plicht. Sehr schöne Nacht. Der Generator surrt, die Sterne . . . Bloß der Kurs ist falsch. Versuche Funkkontakt. Störungen zu groß. Andere benutzen die Frequenz auch. 05:50 Uhr Barometer sehr tief gefallen, werde es beobachten. 07:20 Uhr. See hat sich beruhigt, Wind hat nachgelassen. Speed nicht gut, Generator schwach. 10:30 Uhr habe Sonnensegel gespannt. Mittagessen Grüne Bohnen, schmecken! 16:00 Uhr. Sonne meint es gut. Da es Raum läuft, ist wenig zu tun. Lese. 19:00 Uhr. Sende und empfange bis 20:00 Uhr. Boot fährt alleine. Jockel


49. 18.10.2001, 00:00 Uhr, Position 06°05' S   24°47' W , Wind SE 6, 61. Tag, Odometer 5993

00.00 Uhr alles OK. Habe entzündete Zahntasche. Spüle und betupfe mit 3%. Laufe wie auf Schiene nach N. Versuche zu funken, erfolglos. Morgeninspektion alles OK. 09:00.Uhr Genua runter, Fock rauf. Übrigens, heute ist ein fliegender Fisch in meinen Eimer gehopst. Morgen werde ich die Pfanne rausstellen. 10:20. Beginne wieder mit meiner liebsten Beschäftigung, Kocher reparieren.
12 Uhr. Kocher ohne Erfolg. Geht nur an Land, bei 3 m Wellen geht das nicht. 15:00 Uhr. Neben mir fischt ein Schwarm Makrelen. Die fliegenden Fische sind wie verrückt. Die Makrelen aber auch. Sie springen wie toll. 18 Uhr, bereite mich auf Funk vor. Will Kontakt halten. Ansonsten alle Systeme OK. Vorhin war Backstag mit einem Mal lose. Sehr gefährlich für den Mast. Sichere ihn in Zukunft mit zwei halben Schlägen. "Egon" geschmiert und zwei neue Bändsel für Umlenkrollen spendiert. 18:30. Funk geht. Mache erst Empfang um später noch Infos nachschreiben zu können. Und richtig, die Sportkameraden sind rührig
(Umrüstsatz für den Kocher besorgt). Stehe aber schon 1200 sm vor den Kapverden. Das ist jetzt das nächste. Hier geht es sowieso nicht nach Strecke, sondern nach dem Wind.
21:30 Super Funk gehabt. Bin gerührt über die Kameraden. Laufe nach Nord unter Groß und Fock.


48. 17.10.01, 00.00 Uhr, Position 08°27'S 24°26' W, Wind SE 5-6 , 60. Tag, Odometer 5852

Versuche wieder ganze Nacht mit Funk. Um 05 Uhr klappt es. Kriege 4 alte Meldungen noch einmal und 5 neue. Konnte selber nicht senden. 08 Uhr. Werde mich wieder an den Kocher machen. Muß ja noch ewig zurück und irgendwie Kochen. 10.30 Habe das Leck nicht dichten können, das Zündgas verschwindet nach kurzer Zeit wieder. Vor dem Vorheizen lasse ich es ab wegen der Explosionsgefahr.
Um 13 Uhr schafft es "Egon" kaum noch. 7 kn sind aber auch nicht schlecht. 15 Uhr. Habe Mittagsbesteck gemacht. Liege sehr daneben. Wegen Welle und fehlender Übung. Wieder Diesel in der Bilge. Lecksuche diesmal denke ich erfolgreich. Rücklaufleitung Ermetoverschraubung nicht angezogen. 19 Uhr streiche ich Genua, zu viel. Fange mit Funk an. Bin auf Hinweis von Casi erfolgreich. Habe 3 Meldungen abgesetzt. Freue mich riesig.
Neue Verbindung
(direkte FTP-Verbindung zu Casi's Server, um Datenoverhead bei e-Mail zu verhindern) versucht, nicht erfolgreich. Schade. Meldet: Verbindung nicht möglich oder Rechner nicht gefunden (wieder Arbeit für mich, muß checken, woran es liegt, ohne Sichtkontakt, Casi).
Versuche es heute wieder. 21.40 Windwalze mit Regen von Achtern. Bin mit Stagfock und Groß 2. Reff vorbereitet. Zwischen 0-2 und 4-6 nochmals mit Funk ohne Erfolg versucht. Jockel


47. 16.10.01 , 00.00 Uhr, Position 10°53'S 24°10' W , Wind SE 6-7 , 59. Tag, Odometer 5721

Laufe auf Kapverden zu. Werde versuchen Kocher dort unter Werkstattbedingungen zu reparieren. Versuche um 00.00 , und 03.00 Uhr Funkkontakt. Nichts. um 05.00 setze ich kurze Meldung ab. Um 10.Uhr bemerke ich, daß ein Petroleumbehälter leckt. Kontrolliere sofort alle und finde den Übeltäter. Am Brot finde ich eine pilzige Stelle. Schneide sie großflächig raus. 14 Uhr. Erledige alle möglichen Arbeiten habe z.B. alle Kontakte der Funkanlage geprüft. Alles 0k. War eben im Mast zur Inspektion. Gucke nach hinten, schwimmt an meiner Rettungsleine ein kleiner Hai, 1,5 m ca lang. Und ich bade immer ungeniert und kratze bei Flaute Entenmuscheln ab. Werde in Zukunft besser aufpassen. 20 Uhr Funk ohne Erfolg. 20:43 Uhr am Horizont Licht. Mache Licht an. 22.30 Uhr. Schlummer in der Plicht wegen Dampfer. Plötzlich schlägt Genua. Schnappschäkel am Fuß ist aufgegangen, unerklärlich, Beleuchtung Deck, Abfallen vor Wind, nach vorn Einpicken. Drehe Genua weg und setze Stagfock.


46. 15.10.01 ,00.00Uhr, Position 12°53'S 24°10'W, Wind SE6 , 58. Tag , Odometer 5585sm

Laufe sehr schnell N. 05.40 Uhr kurze Meldung abgesetzt und etwas empfangen. Frühstücke jetzt Milch mit Müsli + Streifen Schokolade. Beruhigt. Mache 9 Uhr 2. Frühstück. 10:14 Uhr Habe meine neue Sturmfock als Sonnensegel gesetzt. Sonst ist es nicht auszuhalten. Lese Schenk "Freiheit hinterm Horizont". Bis zu den Kapverden noch 1700 sm. Und dazwischen liegen die Kalmen! 
14.30 wechsele ich Stagfock gegen Genua ein. Mal sehen wie lange das gut geht. 17.00 Uhr. Immer zur Nacht briest es auf. Muß doch Stagfock nehmen. Um 22.30 binde ich ins Groß 2. Reff ein. Versuche wie am Vortag zu funken. Nichts geht. Bin darüber sehr enttäuscht, da ich den Kontakt brauche. Tschüs, Jockel


45. 14.10.01, 00.00 Uhr, Position 14°53'S 24°08'W, Wind SE 4 , Odometer 5466, Tag 57

Laufe wieder nach N. Probleme mit Windgenerator im Moment nicht. Die Funkerei klappt überhaupt nicht mehr. Bekomme keine Signale und wenn, bricht die Verbindung wieder zusammen. Habe heute z.B. um 00, 04, 05.50 versucht, kein Kontakt. = 08.40Uhr. Habe Probleme im Kopf. Die Enttäuschung sitzt tief. Habe heute mit Propanbrenner zum Kochen vorgeheizt. Da braucht man bei der Welle 3 Hände. Aber es geht bei einigermaßen Wetter und raumen Wind. Am Wind wird das schlimmer. Am Vorschiff löst sich die gesamte Farbe bis auf den Spachtel. werde es beobachten. Kann aber nichts machen. Ist auch nicht substanziell. 12.00Uhr. Die Stimmung beruhigt sich. Das ging bis Magenkrämpfe und Essensunlust. Die 2 Verpuffungen waren extrem. Habe mich sehr erschrocken, dachte ich muß über Bord gehen. Bin jetzt ruhiger. Finde mich mit dem Unabwendbaren ab. Plane die Rücktour:
-Spanien Madrid oder Villamoura 3000 sm
-Mittelmeer Gibraltar 3000sm oder Marseille 3600sm
-Mittelmeer Marmaris 4500 sm
-Mittelmeer Griechenland 4300 sm
Da einiges aufzukreuzen sein wird, sind 35 Tage mindestens einzuplanen.
Melde mich dazu aber noch von den Kapverden. Studiere die Pilot Carts wegen des schnellsten Kurses und der überwiegenden Winde zu dieser Zeit. 20.00 Uhr Habe wieder mit Propanbrenner vorgeheizt. Wußte nicht, wo ich den heißen Brenner hinlegen sollte. Habe mir Finger verbrannt. Geht aber, Stimmung steigt. Finde mich mit Rückfahrt im Kopf langsam ab. Versuche ständig Funkkontakt zu Eurer Information. Funken zu: 21,25, 23,30; 00.00; 02.00 nicht geklappt; 05.00 hat geklappt, Gott sei Dank.


18.10.2001  17:00 h - Webmaster: der Reihe nach . . .

1. Habe gestern Abend Jockel technische Anleitungen geschickt, wie er den Ladevorgang des Windgenerators evtl. verbessern kann. Das Problem zieht sich ja nun schon durch die ganze Reise und muß dringend gelöst werden.

2. Heute morgen unten stehenden Bericht bekommen. Sofort geantwortet und ihn versucht, davon abzubringen. Nach Kapverden zurück ist viel länger als nach Brasilien - Salvador. Habe versprochen, ihm wohin immer er will, einen neuen Kocher zu schicken.

3. Heute tagsüber ist mein Posteingang und mein Handy beinahe verglüht. Bestürzte Mails und erschreckte Anrufe.
Wegen dem Sch.....kocher den Turn-Around abbrechen ??? Muß das wirklich sein ??? - Wir waren auch der Meinung - NEIN !!!
Habe mit Egon und Falk Notfallteam gebildet. Versuchen alles Mögliche, damit Jockel seinen Traum fortsetzen kann, wenn es sein muß, werden wir ihm einen neuen Kocher "vor den Bug werfen" lassen. Alles ist schon angeleiert.
Sowie ich Jockel erreiche, und er stimmt dem Vorhaben zu - was alle hoffen und auch einige als sicher voraussetzen - geht ein Paket nach Brasilien nach Bahia de Salvador. Dort ist ein www.trans-ocean.org Stützpunkt, mit dem wir schon telefoniert haben. Wir hoffen, das Jockel, ohne anzulegen, den Kocher (oder Ersatzteile) aus dem Wasser fischen kann. 
Laut einer Mail hat Wilfried Erdmann auch (un)erwartete Hilfe von Neptun bekommen. 


18.10.2001  06:00 h Webmaster:
Seit Meldung 41 vom 10.10.01 kein Funkverkehr gehabt, nur kürzeste Mail erhalten, "Habe Reise abgebrochen" "Es geht mir gut". . .
Die Funkausbreitungsbedingungen sind wegen des Wetters und wegen einer großen Sonneneruption stark gestört. Habe die letzten Meldungen erst heute nacht bekommen und sie heute früh um 5:30 h ins Netz gestellt.


44. 13.10.01, 00.00 Uhr, Position 14°49' S 24°09' W, Wind SE 5, 56. Tag, Odometer 5345 sm

Laufe sehr schnell nach S. Alles ok. 05.00 Uhr. Der Mond geht auf. Die Nacht ist sternenklar. Leedeck geht manchmal durchs Wasser. Überlege Fock gegen Stagfock zu wechseln. Habe zur Nacht gleich Blaumann angezogen. War falsch, zu warm. Schlecht geschlafen. 12.00 Uhr. Der Kocher hat 2 Verpuffungen gehabt bevor ich unten war. Gardine angeschmort. Bin total entnervt. Kann in den brüllenden Vierzigern nicht ständig löten. Andererseits ist das Vorhaben ohne Kocher nicht realisierbar. Prüfe den Fall noch einmal. Der Gasbehälter für das Vorheizgas hat eine undichte Stelle. Das Zündgas tritt aus und entzündet sich an der Flamme. Jedes Mal eine kleine Explosion. Überlege was ich tue. Nach Kapstadt sind es 3200 sm, zu den Kapverden 2000 sm und nach Recife oder Salvador ca. 1350 sm. Was tun ? Wo bekommt man Hilfe ? In Brasilien sicher nicht, in Kapstadt ja, auf den Kapverden?
Hatte einen totalen Aussetzer. Habe geheult wie ein Schloßhund. Aus Wut, Verzweiflung . . . 
Anschließend noch einmal gelötet. Wieder undicht. Warum haben die Typen auch Epoxidharz auf die Lötnaht geschmiert. Da sitzt irgend ein Krümel und macht eine gute Lötung unmöglich. Komplett ab zum Reinigen kriege ich den Deckel auch nicht mehr. Ich bin fertig. Habe mich entschlossen aufzugeben. Habe gründlich überlegt. Handle nicht unter seelischem Druck.
Werde zu den Kapverden, Canaren gehen. Wie weiter weiß ich noch nicht, nach Deutschland geht es ja wegen des Winters nicht. Vielleicht Spanien oder Mittelmeer.

Mein Wendepunkt ist 16°04' S    24°09' W - 13:00 Uhr. Jockel