3. Das erste Mal Nordsee mit Jana und Alex

 

In Cuxhaven lagen wir neben drei weiteren für die Langfahrt ausgerüsteten Booten. Alle hatten Ähnliches geplant wie wir: Kanarische Inseln und Atlantiküberquerung. Eines der Boote, ein baugleiches Modell, wie unsere Augusta, eine Hallberg Rassy Monsun 31. Über die langen Wartetage hinweg haben wir uns angefreundet, uns ausgiebig über unsere Boote ausgetauscht, zusammen die regenfreien Momente für Reparaturarbeiten genutzt und überlegt gemeinsam die Etappe Nordsee anzugehen. 1. Stopp sollte Helgoland sein.
Die Wettervorhersagen waren jedoch wieder nicht zu unseren Gunsten. Ein Windfenster von einem Tag für die Überfahrt nach Helgoland und danach strammer Westwind. So gern wir mit unseren neuen Freunden gereist wären, entschieden wir ein Tag vor der Abfahrt nicht nach Helgoland zu segeln, denn das Risiko dort über längere Zeit „festzusitzen“ war uns einfach zu groß. Unsere Freunde sollten dann auch zwei Wochen auf der deutschen Hochseeinsel verbringen müssen.
Für uns sollte es gleich nach Westen gehen. Ziel Norderney. Bis Norderney sind wir jedoch nicht gekommen, sondern schon vorher nach Langeoog abgebogen. Hier hat es uns gefallen, ein kleiner gemütlicher Hafen mit einer tollen, toughen Hafenmeisterin. Auf Langeoog haben wir das erste Mal hautnah die Gezeiten erlebt. Bis auf das Hafenbecken und die Fahrrinne der Fähre fällt alles trocken. Beeindruckend und für uns Binnengewässer-erfahrene-Seglerinnen eine absolut neue Erfahrung.

Von Langeoog aus starteten wir unsere erste Nachtfahrt. Am frühen Abend, um 18 Uhr, kurz vor Hochwasser liefen wir bei bestem Wetter, aber ohne Wind aus. Wind war uns für die Nacht versprochen, aber leider wollte er dann doch nicht kommen. So wurde es wieder eine reine Motorfahrt. Eine von vielen, wie wir im Laufe der Reise erleben werden.
Die Zufahrt zur Ems ist stark befahren, auch bei Nacht, wir mussten gehörig Ausguck gehen und uns mit der Lichterführung an Land und zu Wasser auseinandersetzen…gar nicht so einfach, glücklicherweise war der Kurs zum Sportküstenschifferschein (SKS) noch nicht lange her und das Gelernte konnte in der Praxis angewendet werden.
Um 4 Uhr morgens erreichten wir schließlich den Burkana-Hafen von Borkum, machten am einzigen beleuchteten Steg fest, der auszumachen war, dem der Seenotretter, und vielen erschöpft in die Koje.

Nach nur 5 Stunden Schlaf waren wir wieder auf den Beinen, denn wir brauchten einen anderen Liegeplatz. Bei den Seenotrettern konnten wir nicht bleiben. Doch weder der Hafen noch das Ambiente ringsherum gefielen uns. Anstatt zu warten bis ein auslaufendes Boot einen Platz frei machte, entschieden wir diesen Ort zu verlassen…ziemlich Hals über Kopf. Die Wetterprognose sah gut aus, wenig Wind, aber kein Regen, kein Sturm in Aussicht. Mit unserem elektronischem Navigationssystem haben wir eine Route erstellt…und los gings. Doch, oh je…ich hatte die Parameter Welle in Stärke und Höhe und Wind gegen Welle bei der Planung nicht beachtet… Es sollte eine anstrengende, teilweise auch gefährliche Erfahrung werden, die vermeidbar gewesen war.

Bereits in der Ems baute sich eine Welle auf, hinzu kam, dass wir gegen dir Strömung fahren mussten. Es sollte noch schlimmer werden. Die See türmte sich auf 1,5m auf, an Flachstellen, denn unser Weg führte über ein Riff, sogar auf bis zu 2m. Wir mussten die Wellen aussteuern, absurfen…trotzdem rollte Augusta in den Wellen. Der Wind kam von gegenan, was auch das Setzen eines Stützsegels unmöglich machte. Im Inneren des Schiffes…Durcheinander. Und zu allem Übel wurde ich auch noch seekrank…musste mehrmals nach Lee und die Pütz wurde zu meiner besten Freundin. Für die 45sm nach Lauwersoog sollten wir 12 lange Stunden brauchen. Nach der Hälfte der Strecke tauchte neben uns, wie aus dem Nichts, die Parmyra, ein weiteres Segelboot auf. Was für eine Freude…mit der Pütz unterm Arm (ich war ja seekrank) bewegte ich mich schaukelnd über den Niedergang ins Schiffsinnere bis zum Funkgerät und funkte unsere Nachbarn über Kanal 16 an. Sofort eine Antwort und Wechsel auf Kanal 72. Unsere niederländischen „Nachbarn“ wollten in die gleiche Richtung, zum gleichen Hafen in Lauwersoog in den Niederlanden und boten uns an ihnen einfach hinterher zu fahren. Oh, waren wir dankbar… denn die Zufahrt nach Lauwersoog sollte nicht so einfach werden und Ankunft würde erst mitten in der Nacht sein. Danke Parmyra, ihr habt und gerettet!
Am nächsten Morgen verholten wir uns hinter die Schleuse in den Yachthafen Nordergaat und blieben dort drei Tage.

Wir wollten uns ausruhen, die Gegend erkunden und die Schlechtwetterfront abwarten…wir konnten uns beide nicht vorstellen, sofort wieder auf die Nordsee zu gehen, hahaha…die Nordsee hatte uns erst einmal geschafft und wir haben sie unterschätzt.

 

Fortsetzung folgt…